Berufsverband Deutscher Nervenärzte in Niedersachsen


BVDN Landesverband Niedersachsen „Wir sind weiterhin die Zukunft!
Neurotransmitter 9-17: Die Verbände informieren
AUTORIN Friederike Klein, München Das Bild ist in Niedersachsen nicht völlig anders als in anderen Ländern: Eine mehr oder weniger gesicherte Versorgung neurologisch und psychisch kranker Menschen in den Städten und große Versorgungslücken in der Fläche. Um mehr Fachärzte für die niedergelassene Tätigkeit zu interessieren, braucht es auch ein bisschen Euphorie.

Die hat ohne Frage Dr. Ralph Lübbe, stellvertretender Vorsitzender des BVDN-Landesverbands Niedersachsen. Für den Facharzt für Neurologie und Psychiatrie aus Osnabrück ist die Niederlassung die Möglichkeit zu einer patientennahen Tätigkeit mit der Möglichkeit, die Neurowissenschaften hautnah zu erleben und auch einen wissenschaftlichen Anspruch an seine Arbeit zu haben. Das gilt es auch den jungen Kolleginnen und Kollegen in der Klinik stärker zu vermitteln. Das Bild von den niedergelassenen Kollegen ist seiner Erfahrung nach für Ärzte in der Klinik wenig greibar. „Man hört über uns: Es geht denen nicht so gut, die jammern immer und sind nicht so modern. So wird jüngeren Kollegen suggeriert, die Praxis sei ein Auslaufmodell." Das ist natürlich extrem kontraproduktiv in einem Flächenland, wo große Gebiete unversorgt sind. Deshalb ist ihm wichtig: „Wir müssen klar machen: Wir Niedergelassene sind auch weiterhin die Zukunft." Nur so könne die Versorgung zukünftig gewährleistet werden.

Sichtbar werden und bleiben

Um junge Kolleginnen und Kollegen für die Niederlassung zu gewinnen, muss der Kontakt gesucht, aufgebaut und erhalten werden. Der BVDN-Landesverband Niedersachsen lädt Ärzte aus der Klinik zu Fortbildungsveranstaltungen ein, spricht sie dort an, pflegt Kontakte zu den Klinikabteilungen und geht in die Kliniken.

Seit einiger Zeit setzt der Landesverband zudem stark auf das Internet und hat eine eigene Homepage aufgebaut. So können alle Mitglieder über den digitalen Dialog rascher erreicht werden als zu Zeiten von Fax-Versand und Telefonketten, die Kommunikation sei deutlich besser geworden, meint Lübbe. Das Angebot ist aber auch für andere Interessenten offen. „Wir werden dadurch mit unseren Leistungen und als niedergelassene Fachärzte viel stärker sichtbar", erklärt er. Damit ist die Homepage ein Pfeiler um zu zeigen, wie spannend die niedergelassene Arbeit ist und wie modern sich der Berufsverband aufstellt.

Fortbildungen und Treffen

Besonders wichtig für das Gewinnen des Nachwuchses in der Niederlassung und von neuen Mitgliedern sind Fortbildungsveranstaltungen. Auch Kollegen aus den Medizinische Versorgungszentren (MVZ) erreicht man vor allem durch Fortbildungen, wenn es auch einen Trend hin zur Niederlassung aus MVZ heraus leider nicht gibt. Der Landesverband organisiert selbst nicht nur die alljährliche Frühjahrstagung, sondern inzwischen auch eine Herbsttagung.

Weiterbildung - Pfeiler für Erhalt der Versorgung

Der Druck auf Nervenärzte, Neurologen und Psychiater in Niedersachsen ist groß und wird sich mit Ausscheiden von immer mehr Nervenärzten noch verstärken. Umso erfreulicher ist es, dass nicht nur bundesweit, sondern auch in Niedersachsen überraschend häufig Doppelfachärzte die Niederlassung suchen - trotz neunjähriger Facharztweiterbildung und immer weiter wachsenden Anforderungen an den Zertifikaterwerb. Auf den Schultern einzelner, die sich das zumuten, kann aber sicher nicht die Sicherung der Versorgung aufgebaut werden. Deshalb hat das Thema Weiterbildungsordnung einen großen Stellenwert für den BVDN Niedersachsen, sei es die Diskussion um die Implementierung der Geriatrie in die Weiterbildung zum Neurologen und Psychiater oder die Integration eines Jahres Psychiatrie beziehungsweise Neurologie in die Weiterbildung des jeweils anderen Fachgebiets. Ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass es in Niedersachsen nur Fördermöglichkeiten für die Weiterbildungsassistenten für die niedergelassenen Psychiater gibt. Nervenärzte und Neurologen haben keine solchen Möglichkeiten. Das sieht auch die KV Niedersachsen (KVN) kritisch, aber die Krankenkassen halten die Weiterbildung in neurologischen und Nervenarztpraxen nicht für förderungsfähig. „Das ist sehr bedauerlich", betont Lübbe. „Wir haben ja für sehr viele Patienten ganz klar die Primärversorgerfunktion."

Berufspolitische Kräfte bündeln

Auch sonst gehen dem BVDN Nieder-sachsen die Herausforderungen nicht aus. Wie kann die Versorgung landesweit sichergestellt werden, wenn Nerven-arztpraxen zunehmend rein neurologisch oder psychiatrisch fortgeführt werden? Was kommt mit dem neuen EBM auf die Nervenärzte, Neurologen und Psychiater zu und wie kann er implementiert werden? Wie können die Kräfte der aktiven Mitglieder noch stärker gebündelt werden? Dass es hier auf die Kollegen in eigener Praxis ankommt, ist Lübbe klar: „Durch die Anstellung im MVZ fühlen sich immer mehr Kollegen nicht mehr persönlich für den Erhalt der Versorgung verantwortlich. Das macht uns besonders große Probleme.

"Berufspolitisch ist der BVDN Niedersachen gut aufgestellt - der 1. Vorsitzen-de Dr. Mayer-Amberg und Dr. Lübbe sind im fachärztlichen Ausschuss der KVN. „Dort werden wichtige Entscheidungen der Vertreterversammlung vorbereitet", erläutert er. „Darüber hinaus haben wir über Jahre gute Dialogmöglichkeiten in die KVN hinein entwickelt." Dabei helfen auch andere Aktivitäten. So kennt Lübbe den stellvertretenden Vorsitzenden der KVN, Dr. Jörg Berling, aus der gemeinsamen Arbeit in der Ärztegenossenschat Niedersachen-Bremen und ist als Stadtrat in Osnabrück auch noch politisch vernetzt. Dr. Norbert Mayer-Amberg ist Vorsitzender des „Ausschusses für die Belange von Menschen mit psychischen Erkrankungen beim Niedersächsischen Landtag", einem in der Landespolitik wichtigen Gremium. Im Oktober 2017 finden die vorgezogenen Landtagswahlen statt, ein politischer Wechsel ist nicht ausgeschlossen. Da sind Kontakte zu Landtagsabgeordneten wichtig, der Dialog wird in alle Richtungen gehen.

Viel erreicht

Die wirtschatliche Situation der Nervenärzte, Neurologen und Psychiater hat sich positiv entwickelt. Die Neuberechnung im Jahr 2008 hat sich günstig ausgewirkt, weil ein großer Nachholbedarf bestand. Dazu kam eine freiwillige gemeinsame Regelung für Neurologen und Nervenärzten. „Bisher ist dadurch noch kein großer Druck auf den Topf gekommen", berichtet Lübbe, „wir sind alle damit einverstanden, dass das erstmal so fortgesetzt wird." Die Konsequenz: Es hat seitdem keine Praxisaufgaben aus wirtschatlichen Gründen mehr gegeben, die vor 2008 durchaus passiert sind. Für die Psychiater ist parallel durch die Entbudgetierung für die klassischen psychiatrischen Leistungen eine Besserung eingetreten. Nun schwebt allerdings der neue EBM wie ein Damoklesschwert über den Kollegen. „Das ist ein großer Unsicherheitsfaktor", weiß Lübbe.

Die Verträge zur integrierten Versorgung in Niedersachsen laufen weiter, wenn auch nicht mehr ganz so dynamisch. „Sie sind sicher nicht mehr die Leuchtturmprojekte, die sie einmal waren", gibt Lübbe zu. Er sieht Niedersachsen aber weiterhin in einer Art Vorbildfunktion. Einzelne Praxen machen einen sehr großen Teil ihres Umsatzes damit, während andere mit der Regelversorgung mehr als ausgelastet sind.

Versorgung verändert sich

Die Einrichtung der Terminservicestellen hat klar gezeigt, dass der Patientenandrang in der nervenärztlichen Fachgruppe neben bestimmten internistischen Fachärzten am höchsten ist. Da sei es nicht immer leicht, die Anfragen der Terminservicestelle zu bedienen, meint Lübbe. Kein Wunder, die Fallzahlen bei Neurologen und Nervenärzten liegen durchschnittlich in einer Größenordnung von 950 bis 1.000 Fällen pro Quartal, in Einzelfällen aber auch schon mal bei 1.800. „Der Druck ist erheblich, die Wartezeiten sind es auch", sagt Lübbe. „Es zeigt sich auch im Sinne einer Absicherungsmedizin, dass viele Patienten zu uns geschickt werden, die möglicherweise früher vom Hausarzt oder von anderen Fachärzten allein bedient worden sind." Dass es zunehmend selbstverständlich geworden ist, sowohl durch Hausarzt als auch Facharzt versorgt zu werden, zeigt für ihn die wachsende Qualität der Versorgung und geht auch mit besseren Chancen einher, Patienten wieder in Arbeit zu bringen.

Es gibt also durchaus Grund zu hoffen, dass es auch küntig eine positive Stimmung in den Praxen gibt. Lübbe wünscht sich viele alte und neue Kollegen, die auch weiterhin Lust haben, als Neurologe oder Psychiater zu arbeiten, positiv ein spannendes Fachgebiet mitzugestalten und es patientennah zu leben.


AUTORIN

Friederike Klein, München

Artikel vom 03.10.2017, http://www.bvdn.de/home-bdn/neurotransmitter/archiv-2017-bdn/532-neurotransmitter-09-2017